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Was bedeutet die Auferstehung Jesu Christi?

Was ist die Auferstehung? Ein wunderhafte Wiederbelebung des Leichnams Jesu nach drei Tagen? Wie steht sie aber dann mit einem Leben nach dem Tode, mit einer unsterblichen Seele im Einklang? Diese und andere Fragen werden im folgenden besprochen.

Streit um die Wirklichkeit der Auferstehung

Seit H. S. Reimarus (1694-1768) die Behauptung aufstellte, dass Jesus gar nicht wirklich auferstanden sei, sondern sein Leichnam von den Jüngern gestohlen wurde und diese die Auferstehung als Lüge behauptet hätten, lässt diese Frage das christliche Abendland nicht mehr in Ruhe, wie etwa der Aufruhr um das jüngst von G. Lüdemann veröffentlichte Buch ?Die Auferstehung Jesu", in dem der Autor behauptet, dass Jesus einfach verwest sei, zeigt. Trotz historischer Kritik halten die meisten Theologen an dem Wunder der Auferstehung Jesu fest - auch wenn einem meist nicht klar ist, was denn damit eigentlich gemeint ist.

Sofort ergeben sich nämlich weitreichende Fragen. Die meisten Menschen glauben, dass sie nach dem Tode in irgendeiner Form weiterexistieren, ihre Seele den Tod also überlebt - was aber auf den ersten Blick nichts mit Auferstehung zu tun hat, da diese ja eine des Leibes sein soll. Der Katholizismus hat zu diesem Problem raffinierte Lösungen gefunden; einerseits lebt die Seele nach dem Tode weiter, indem sie in den Himmel, das Fegefeuer oder die Hölle kommt, kehrt dann aber am jüngsten Tage, bei der allgemeinen Totenauferstehung, zu ihren sterblichen Überresten zurück, um nun im erneuerten, verklärten Fleischesleib endlich zu auferstehen. Das durch die Reformation geborene Schriftverständnis brachte mehr und mehr radikalere Modelle hervor. Die Reformatoren begnügten sich meist, das Fegefeuer zu verneinen. Andere Kreise gingen auch damals schon weiter und behaupteten, dass die Seele bis zur Auferstehung schlafe. Der moderne Protestantismus hat dann durch die sog. zweite Aufklärung, die auch die Unsterblichkeit der Seele verneinte, behauptet, dass nach biblischem Verständnis der Mensch beim Tode mit Leib und Seele zu Grunde gehe - um dann bei der Auferstehung gänzlich neu geschaffen zu werden. Dies sei das christliche Modell, das dem griechisch-heidnischen mit seiner unsterblichen Seele radikal entgegenstehe (1). - Auferstehung ist hier also nicht nur ein erneutes Zusammensetzen der ?verwaisten" Seele mit ihrem Körper, sondern die Neuschaffung des Menschen als angeblich ?ganzheitliches" Leib-Seele Wesen aus der gänzlichen Vernichtung.

Die vielen Veröffentlichungen zu Nahtodeserfahrungen in den letzten Jahren haben auch ausserhalb parapsychologisch interessierter Kreise die Hoffnung auf eine unsterbliche Seele und ein Leben nach dem Tode wieder zur Gewissheit werden lassen. In christlichen Kreisen ist die Aufnahme verschieden. In den grossen theologischen Schulen schenkt man den Nahtodeserfahrungen wenig Beachtung; dann gibt es einerseits evangelikale Kreise, die sie unterschiedslos als Werk des Teufels betrachten, andererseits aber auch solche, die sie ernst nehmen und mit der Bibel in Einklang zu bringen suchen (2).

Für den parapsychologisch Interessierten ist es keine Frage, dass diese Erfahrungen echt sind und von einem Leben nach dem Tode im positiven und negativen Sinn zeugen. Doch auch ihm muss sich die Frage nach dem Zusammenhang mit der Auferstehung stellen, zumindest dann, wenn er in Jesus Christus den grossen Erlöser der Menschheit sieht. Und dieser Frage wollen wir im Folgenden nachgehen.

 

Das Auferstehungszeugnis der Ostkirche

In der westlichen Tradition hat sich als Bilddarstellung der Auferstehung das leere Grab eingeprägt (Mk 16,1-8par) - ganz dem Auferstehungsverständnis entsprechend: es zeugt von der Wiederbelebung des toten Leichnams Jesu, der plötzlich lebendig, im fleischlichen Leibe, der Maria Magdalena und anderen ihm Nahestehenden erscheint.

Was zeigt die Auferstehungsikone (Anastasis) der Ostkirche? Nicht das leere Grab als Auferstehungsereignis, sondern Jesus auf seiner Höllenfahrt, wie er auf den zerbrochenen Toren der Hölle steht und Adam helfend die Hand gibt, um ihn aus der Gefangenschaft der Unterwelt zu befreien. Neben ihm kniet in dieser Darstellung die bittende Eva und hinter Jesus stehen alttestamentliche Gerechte.

In der Alten Kirche galt die Höllenfahrt als das entscheidende Heilsereignis, das zwischen dem Tod Jesu und seiner Auferstehung am dritten Tage - zwischen Karfreitag und Ostern - stattfand. Nach dem unsäglichen Leid und dem Tod am Kreuz dringt Jesus mit Gottes Kraft und seinen Engellegionen in das dunkle Totenreich ein und überwindet dessen Herrscher, den Teufel. Bis zu Christi Erlösung mussten alle Menschen, auch wenn sie Gottes Wege suchten, nach ihrem Tode in diese Finsternis hinabsteigen, keiner konnte aus diesem Reich entfliehen, seine Tore waren unüberwindbar verschlossen: es war ein Gefängnis, der Totenweg eine Einbahnstrasse ohne Umkehr. Es war die adamische Schuld des Abfalls, die diese Bindung verursachte. Diese Schuld, die schwer auf der ganzen Menschheit lag, trägt Jesus am Kreuz - und kann daher nachher die Gebundenen befreien und erlösen. Adam ist in der Ikonendarstellung also zugleich die Symbolfigur für die ganze gefallene Menschheit.

Diese Befreiung des Menschen aus der Gefangenschaft des Totenreiches - ein Zurückkehren aus der aus einem Ort der Gottesferne in die Gottesnähe: den Himmel, das Paradies - dies ist in der Ostkirche die Auferstehung. Und weil Christus als erster dieses Reich betritt, überwindet und als freier wieder verlässt ist er der erste Auferstandene - und zugleich der Wegbereiter für alle ihm Nachfolgenden. Eindringlich wird dies in ostkirchlichen Osterhymnen besungen:

5. Ode: ?... Als die in den Banden des Hades Gehaltenen Deine unermeßliche Barmherzigkeit erblickten, da eilten sie zum Lichte, Christus, dem ewigen Pascha zujubelnd ..."

7. Ode: ?... Du fuhrst hinunter in die Tiefen der Erde und zerbrachst die ewigen Riegel, welche die Gefesselten verschlossen ..." -- ?... Du hast mitauferweckt den Urahn Adam, als Du aus dem Grabe erstandest!" (aus dem Osterkanon des Joh. v. Damaskus)

3. Ton, Troparion: ?Freuen mögen sich die Himmel und jauchzen die Erde, denn der Herr hat Kraft gewirkt durch seinen Arm. Er hat durch den Tod den Tod zertreten, er ward der Erstgeborene der Toten, er hat uns befreit aus dem Schoße des Hades und der Welt große Gnade geschenkt."

4. Ton, Kontakion: ?Mein Heiland und Erlöser hat erbarmungsvoll aus dem Grabe als Gott, aus den Fesseln die Staubgeborenen erweckt. Er hat zerbrochen die Tore des Hades und ist als Gebieter erstanden am dritten Tage."

7. Ton, Kontakion: ?Nicht mehr vermag das Reich des Todes die Sterblichen zu halten, denn Christus ist hinabgestiegen, hat seine Kräfte zerstört und aufgelöst. Gebunden ist der Hades. Die Propheten frohlocken, einstimmig rufend: Der Erlöser ist erschienen, denen, die glauben. Gehet hinaus, Gläubige, zur Auferstehung!"

8. Ton, Kontakion: ?Auferstanden aus dem Grabe hast Du die Toten aufgerichtet und Adam erweckt. Eva frohlockt ob Deiner Auferstehung und die Enden der Welt jubeln ob Deines Erwachens von den Toten Allbarmherziger." (aus dem Oktoech) (3)

Es muss auffallen, dass hier das Grab nicht wörtlich verstanden wird: es ist ein Sinnbild für das Totenreich. Und man kann schon ahnen, dass dieses Auferstehungsverständnis nicht mit einer unsterblichen Seele im Streit liegt: Tod und Leben müssen in einem anderen als dem irdischen Sinn verstanden werden.

Auferstehung bei Johannes Greber

In Grebers Werk ?Der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes" (1932) - man könnte es das Grundlagenwerk des christlichen Spiritualismus nennen - findet sich im zweiten Teil Ausführungen zum Verständnis des Christentums, unter denen auch die Auferstehung besprochen wird. Im folgenden ist ein Ausschnitt zitiert:

?6. Die Auferstehung von den Toten besteht also darin, daß die im Reiche der geistig Toten weilenden Geister sich in Reue wieder zum Reiche Gottes erheben. ... Daß sie zurückkehren können und von dem Fürsten des gottfeindlichen Reiches - Luzifer - nicht mehr mit Gewalt festgehalten werden, haben sie dem Erlöser zu verdanken. Dieser hat durch seinen Sieg über den Fürsten des Totenreiches die Freigabe derer erzwungen, die ihren Abfall bereuen und zu Gott zurückkehren möchten. Er selbst war der erste, der zu den Toten der Hölle hinabgestiegen war, ohne selbst zu den von Gott Abgefallenen zu gehören. Er war auch der erste, der aus der Hölle zum Himmel aufstieg. Vorher war dies keinem Geiste der Tiefe möglich. Wer einmal in der Hölle war, konnte nicht mehr zur Höhe. Die Rückkehr Christi aus der Hölle war die erste ?Auferstehung von den Toten'.

Die Christen von heute denken sich unter ?Auferstehung von den Toten' eine Wiederherstellung des irdischen Leibes. Und die Auferstehung Christi am Ostersonntag ist ihnen die Wiedervereinigung seines Geistes mit dem Körper, der drei Tage im Grabe gelegen hatte. Das alles sind große Irrtümer. Denn die Auferstehung Christi von den Toten ist - um dies noch einmal zu wiederholen - nur seine Rückkehr aus dem Reiche der geistig Toten, eine Rückkehr aus der Hölle, in die er als Geist hinabgestiegen war. Das apostolische Glaubensbekenntnis drückt das richtig in den Worten aus: ?Abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten." Klarer würden die Worte lauten: ?Abgestiegen zu den Toten, am dritten Tage wieder zurückgekehrt von den Toten."" (4)

Man ist erstaunt, wie sehr diese Ausführungen mit dem orthodoxen Verständnis übereinstimmen, obwohl sie auf ganz verschiedenen Wegen entstanden sind. Hier ist es ganz deutlich, dass eine unsterbliche Seele in keiner Art und Weise mit der Auferstehung im Widerspruch steht: sie ist vielmehr ihre Voraussetzung. Nicht eine Wiederherstellung des vergänglichen Menschen ist die Auferstehung, sondern die Rückkehr aus dem Reich der Finsternis in Gottes Nähe, in die Himmel.

Die Höllenfahrt Christi ist dem Theologen als wichtige Lehre der Alten Kirche nicht unbekannt. Nur hat sie praktisch keine Bedeutung mehr in der Theologie des 20. Jhs., da sie für ein entmythologisierende Theologie zu ?mythisch" ist. Man hat dann auch versucht, sie als späte Vorstellung nachzuweisen, die in den neutestamentlichen Schriften - wenn überhaupt - nur am Rande vorhanden sei (5).

Biblisches Sprachverständnis - faktisch oder symbolisch?

Das Problem ist aber so einfach nicht vom Tisch zu wischen. Im Alten Testament hiess Sterben tatsächlich in die Unterwelt hinabgehen. Und aus vielen Psalmen wird deutlich, wie sehr diese Unterwelt ein dämonisches Reich ist, das den Menschen in seine Tiefe ziehen will, ihn von Gott entfremdet und wegzieht. Wichtig ist dabei die Sprache, die verwendet wird: sie ist reich an einer Bildsymbolik, die dem ganzen altorientalischen Raum gemeinsam ist. So kann für die Unterwelt (Scheol im Hebr.) Grab, Grube, Meer, Staub, ja selbst Erde stehen (6). Die Gräber, die ausgehauene Felsenhöhlen waren, sind also zugleich ein Sinnbild: sie verdeutlichen, dass auch die Seele in die Tiefen der Erde - die Scheol - einziehen musste, nicht nur der Leichnahm.

G. Kittel, die ein Buch zur Frage der Auferstehung geschrieben hat, machte diese Dimension biblischer Sprache wieder deutlich, auch für das Neue Testament. Sie zeigt, dass auch im ältesten Osterbekenntnis (1.Kor 15,3-5) die Höllenfahrt schon eingezeichnet ist. Ihre Auslegung der Erzähung des leeren Grabes (Mk 16,1-8) macht dies besonders deutlich. Die Frauen fragen: ?Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr gross." (V. 3.4). Das Grab war also zuvor verschlossen und konnte nicht von einem Menschen geöffnet werden. Der Engel im Grab sagt zu ihnen: ?Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Auferweckt ward er, er ist nicht hier." (V.6). Der gesuchte Jesus befindet sich also nicht mehr im Raum des Grabes. - Bedenken wir das Grab als Symbol der Scheol, so wird uns die tiefere Aussage dieser Texte deutlich: der weggewälzte Stein ist Bild für das nun geöffnete Totenreich, der nicht anwesende Jesus Zeichen, dass er diesem Reich nicht angehört, es überwunden hat (7).

Jesus überwindet durch seinen Tod den Tod, dadurch wird die ?Auferstehung von den Toten" möglich. Doch was ist diese Herrschaft des Todes, von der Christus befreit? Ist damit der irdische Tod gemeint? Im Alten Testament ist oft vom ?Tod" als eines Gegenspielers Gottes die Rede, sodass seine personalen Züge nicht übersehen werden können (Jes 25,8; Ps 49,15; Hi 18,13-15 u.ö.). Dies geht wahrscheinlich auf kanaanitische Mythen zurück, in denen der Herrscher der Unterwelt schlicht ?Tod" (mot) heisst. In Hi 18,14 wird dieser dunkle Herrscher geradezu der ?König des Schreckens" genannt. Für das Neue Testament ist nun entscheidend, dass der ?Tod" und Teufel zu einer Figur verschmolzen sind. Und wenn Paulus von der Herrschaft und der endgültigen Überwindung des ?Todes" spricht ist damit eben diese personale Macht gemeint: der Teufel als Herrscher des Totenreiches (Röm 5,14.17; 1.Kor 15,26.54f; Hebr 11,5 u.ö.) (8).

Schon dieser Befund lässt ahnen, dass die Begriffe Tod und Leben nicht im irdischen Sinne verstanden werden. Folgendes Zitat macht ihren Sinn deutlich: ?So heisst es im Spätjudentum von den Gottlosen: sie werden Tote in ihrem Leben genannt, oder sie sind begraben und tot in ihrem Leben. Umgekehrt gilt für die Frommen: sie heissen - auch im Tod - Lebende." (9). Leben und Tod drücken also den intakten oder gebrochenen Gottesbezug aus. Anders gesagt: ?Mit Gott vereint sein und ihm angehören, ist das ,Leben'. Von Gott getrennt sein, ist der ,Tod' (Greber, 159). Tod ist in der Bibel in erster Linie nicht die Trennung des Geistes vom irdischen Körper, sondern die Trennung des Geistes von Gott. Viele Stellen in der Bibel machen dies von selbst deutlich (Lk 15,32; Röm 6,13; 8,6; Eph 2,5; 1.Tim 5,6 u.a.).

Nicht nur das geöffnete Grab zeugt von Christi Überwindung der Hölle, sondern auch sein Sieg über den ?Tod" als personalem Herrscher und die ?Auferstehung von den Toten" selbst: ein zum Leben-Kommen derer, die in der Trennung Gottes - der Scheol - harrend der Erlösung warteten. Es ist klar geworden, dass das Verständnis der Auferstehung stark mit unserem biblischen Sprachverständnis zusammenhängt: in seine mythischen Tiefen gilt es zu dringen.

Apokryphe Texte

Es gibt reiches apokryphes Material, das von der Höllenfahrt Christi zeugt. Das Nikodemusevangelium, das dramatisch die Überwindung der Hölle durch Christus schildert, hat das Mittelalter tief geprägt, das den Stoff in zahlreichen Osterspielen lebendig zur Darstellung brachte. Zwei frühe Beispiele sollen die dichterische Kraft dieser Texte belegen und zugleich zeigen, dass die neutestamentliche Sprache damals tatsächlich mythisch verstanden wurde. Das erste stammt aus den Oden Salamons, die in Ich-Form als Offenbarung Christi überliefert sind.

Ode 42,10-20: Gegen allen Anschein bin ich nicht verworfen worden.man es von mir dachte, bin ich nicht umgekommen.Totenreich sah mich, doch ihm wurde elend dabei.Tod spie mich aus und viele andere mit mir.ür den Tod wurde ich wie Essig und Bittertrank.in die äusserste Tiefe bin ich mit ihm hinabgestiegen.dem Tod wurden die Füsse schlaff, und sein Haupt sank,er konnte meinen Anblick nicht ertragen.seinen Toten schuf ich eine Gemeinde der Lebendigen.sprach zu ihnen als Lebender, damit mein Wort nicht vergeblich sei.Toten liefen zu mir und riefen: ?Erbarm dich unser, Sohn Gottes!an uns so freundlich, wie du bist.uns heraus aus den Fesseln der Finsternis.Öffne uns das Tor, durch das wir hinausziehen können zu dir!wir begreifen, dass unser Tod dir nichts antun kann.uns mit dir zusammen erlöst werden,du bist unser Erlöser."hörte ich ihre Stimmenahm mir ihren Glauben zu Herzen.legte meinen Namen auf ihr Haupt, sie sind freisie gehören mir.!

Das zweite aus den ?Lehren des Silvanus" (einem Paulusschüler), die im Nag Hammadi Codex gefunden wurden, selber aber keine gnostische Schrift ist.

Sil 110.10-111.20: , wer Christus ist, und mache ihn dir zum Freund, denn er ist der Freund, der vertrauenswürdig ist.ist er der Gott und der Lehrer., obwohl er Gott war, wurde deinetwegen zum Menschen.ist es, der die eisernen Riegel der Hölle und die bronzenen Bolzen zerbrach.ist es, der alle hochnäsigen Tyrannen angriff und niederwarf.ist es, der von sich die Fesseln löste, mit denen er gebunden war.brachte die Armen aus der Tiefe und die Trauernden aus der Unterwelt., der die hochnäsigen Kräfte erniedrigte;, der die Hochmut durch Demut beschämte;, der niedergeworfen hat den Starken und den Überheblichen durch Schwachheit;, der in seiner Verachtung das verschmähte, was für Ehre erachtet wird, damit der Demütige um Gottes willen hoch erhoben werde;er hat die Menschheit angezogen und ist doch Gott, das göttliche Wort, er, der allezeit den Menschen trägt.er wollte Demut in dem Hochmütigen hervorbringen., der den Menschen erhöhte, wurde wie Gott, nicht damit er Gott zum Menschen herabbringe, sondern damit der Mensch Gott ähnlich werde., diese grosse Güte Gottes!König, der du die grosse Göttlichkeit den Menschen offenbart hast,önig aller Tugend und König des Lebens,önig der Äonen und Grösster der Himmel, höre meine Worte und vergib mir.

Auferstehung und Erscheinung

?Als Jesus am frühen Morgen des ersten Wochentages auferstanden war, erschien er zuerst der Maria aus Magdala, ..." (Mk 16,9). Andere Stellen klingen ähnlich (Lk 24,13-32; Joh 20,26-29; Mt 28,16-20; 1.Kor 15,3-7 u.a.). Wichtig daran ist, dass diese biblischen Berichte zwischen der Auferstehung und der Erscheinung Jesu trennen, die Erscheinungen Jesu nicht für identisch mit der Auferstehung halten; - aber genau dies tut die Auslegungstradition, die die Auferstehung für die Wiederbelebung und Verklärung des irdisch toten Jesus hält. Sie unterscheidet, mit anderen Worten, nicht zwischen dem Auferstehungsereignis, was in der Überwindung der Hölle besteht, und den darauf erfolgenden Erscheinungen Christi. Für sie ist die leibliche Erscheinung Jesu die Auferstehung.

Parapsychologisch betrachtet stellen diese Erscheinungen nichts besonderes dar. Es sind Materisatialisationen verschiedenen Dichtegrades, mit denen sich ein geistiges Wesen irdisch kundtut, wie sie von einigen Materisatialisationsmedien auch bekannt sind. Und auch hier kam es zu solchen Dichtegraden, dass sich die Phantome nicht von einem wirklichen Menschen unterscheiden liessen, man sogar ihren Puls messen konnte - genauso wie Thomas in Jesu Wunden greifen konnte (Joh 20,26-29) (10). Bei Greber steht zurecht:

?Auch hat die Tatsache, daß Christus nach seinem irdischen Tode seinen Getreuen in einer materiellen Gestalt erschienen ist, zu der falschen Auffassung gebracht [geführt, d.Hrsg.], er habe seinen früheren menschlichen Leib wieder angenommen. In Wirklichkeit machte er sich in derselben Weise sichtbar, wie sich stets die Geister sichtbar machen, nämlich durch Materialisation ihres geistigen Leibes." (Greber, 386)

Diese Gleichsetzung ist letztlich an dem anfangs erwähnten Streit Schuld. In diesem verbissenen Ringen rationaler Gegner und evangelikaler Befürworter geht letzlich die eigentliche Auferstehung ganz verloren. Man kämpft um ein Wunder, das parapsychologisch keines ist - aber das Eigentliche geht vergessen. Und dies ist schlimm.

Das Ende der Hölle

Der Katholizismus kennt noch ein vermittelndes Fegefeuer, im Protestantismus stehen sich Himmel und Hölle schroff und abgrundtief gegenüber. Wenn Jesus aber die Höllentore zerbrochen hat, ist da gerade keine Abgrundtiefe mehr, sondern er hat einen Weg vom Totenreich ins Lebensreich geschaffen: ein jenseitiger Heilsweg. Die Hoffnung auf die Erlösung aller gefallenen Geschöpfe, letztlich auch des am tiefsten Gefallenen, des Teufels, ist tatsächlich aus der Höllenfahrt entstanden und hat in der Ostkirche noch heute ihre Bedeutung. Die Unterwelt ist keine Einbahnstrasse, kein Land ohne Heimkehr mehr. Denn einer hat einen Weg aus ihrer Ausweglosigkeit gebaut, einen Weg zur wahren Heimat aller Geschöpfe: dem Himmel. Diese geöffneten Tore bleiben ewig offen - und darum ist die Hölle gerade keine ewige. Denn nach und nach wird sich ihr Raum von den nun freien Gefangenen entleeren, und ihr Ende wird nicht ihre Vernichtung sein, sondern ihre gänzliche Leerheit: dann, wenn alle Geschöpfe auf dem von Christus geschaffenen Pfad zu Gott zurückgekehrt sind. Denn kein Geschöpf kann auf ewig dem liebenden Rufen Gottes widerstehen.

Heimkehr in wachsenden Stufen

Der Dualismus von Himmel und Hölle wirkt sich auch auf die Erwartung eines Lebens nach dem Tode aus: man ist entweder ganz verklärt oder ganz verdammt. Nach dem Tode gibt es kein Wachsen mehr, kein Sich-Entwickeln. Eine doch recht sonderbare Erwartung. Denn wer von uns könnte an seinem Lebensende sagen, dass er seine Wege vollendet hat?

Mediumistische Berichte und hellsehende Einblicke ins Jenseits stimmen im wesentlichen darin überein, dass das Jenseits in Stufen eingeteilt ist. Weder die Unterwelt noch der Himmel ist ein einheitliches Gebilde, sondern erscheint als eine Stufenleiter von der Finsternis zum Licht durch alle Farben hindurch. Diese Stufen spiegeln die Gottesnähe oder -ferne der sie bewohnenden Geschöpfe wieder. Dieses Jenseitsbild hat seinen Ursprung nicht im neuzeitlichen Spiritismus, sondern geht in seinen Ursprüngen auf den Pietismus zurück. Eindrücklich sind etwa die Erfahrungen von Oberlin, einem Pfarrer aus dem Elsass, der neben seinen grossen sozialen Leistungen eine Art Jenseitskunde erstellte und neun Jahre lang mit seiner verstorbenen Frau Kontakt hatte, die ihm nicht nur Einblicke in ihr jenseitiges Dasein gab, sondern auch zeigt, wie jenseitige Errungenschaften ins Diesseitige hineienwirken (11).

Auferstehung lässt sich so als einen Weg, einen Prozess begreifen, der in diesem Leben beginnt und sich im jenseitigen bis zur Vollendung fortsetzt. Gehen muss ihn jedes Geschöpf selbst. Doch den Weg hat es nicht selber geschaffen, da ist ihm einer vorausgegangen, seiner Spur folgt es nach: Jesus Christus. Und er steht allen Gehenden liebend und stützend zur Seite. Entscheidend ist das Sich-auf-den-Weg-Machen, die Umkehr vom Tod zum Leben, von der Gottesferne hin zu Gottes Nähe, zum Tun des göttlichen Willens. ?Auch gebt nicht der Sünde eure Glieder hin als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern gebt euch selbst Gott hin, als solche, die tot waren und nun lebendig sind, und eure Glieder Gott als Waffen der Gerechtigkeit." (Röm 6,13)

 

 

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